Rausgehen ist uncool…???

Veröffentlicht am Veröffentlicht in Draußen sein

Rausgehen ist uncool….????

…. ganz sicher nicht!
Denn die Temperaturen tagsüber tanzen einfach locker um den Punkt am Thermometer, den eine Null markiert.
Also doch noch „cool“…

Das Geräusch der Schritte im verharschten Schnee erinnert an einen Tanz in der Müsli-Schüssel; die Wogen der kalten Luft, die in einzelnen Etappen meines Weges zwischen den Bäumen in meine Lungen wabert,  fühlen sich im Mund an wie der kalte Hauch der zarten Eiscreme meines Lieblings-Italieners.

Auf den vom Sonnenlicht gefluteten Ästen in den Wipfeln der Bäume singen die Vögel ihr Lied vom nahenden Frühling und unter den tief hängenden Ästen der Fichten und Eichen am Waldrand finden sich zahlreiche Spuren von Schlafplätzen der Rehe.

Immer tiefer gehe ich auf der „Reh-Autobahn“ in den Wald, mitten durch die jetzt im Winter passierbaren Brombeer-Hecken und halte kurz an Stellen inne, die im Sommer für uns Menschen nicht erreichbar sind.

 

Faszination Überraschung

Bereits nach kurzer Zeit im Wald bin ich entspannt. Tiefen-Entspannt ist die wahrscheinlich bessere Bezeichnung.
Die Geräusche der Natur haben sich zu einem Konzert der Superlative entwickelt und bilden eine perfekte Harmonie mit den verschiedenen Gerüchen.
„Nussig-Erdig“ trifft „frisch-aromatisch“. Alles neu und doch irgendwie vertraut.
Ich fühle mich absolut sicher.
Wohlfühlmoment. Hier bin ich richtig!

Mit geschlossenen Augen halte ich mich am Stamm einer Fichte fest und atme tief ein. Ihr Stamm ist so dick, dass zwei Menschen, die sich an den Händen halten,  ihn nicht umfassen können.
Ich spüre ihre raue Rinde und meine Finge tasten nach den kleinen Harzkügelchen, die an ihr kleben.

 

Für einen kurzen Moment denke ich daran welche Verwendung ich für das Harz habe – und verwerfe sogleich den Gedanken daran, es zu ernten und mit nach Hause zu nehmen. Ich habe doch schon genug…

Einen Moment später öffne ich die Augen und gehe weiter. Wie lang und intensiv ein „Augen-Blick“ doch sein kann wenn man ihn bewusst erlebt…

Dann gehe ich weiter zu meinem Lieblingsplatz, lasse dort den Blick über die weite Landschaft schweifen und trete zufrieden und entspannt den Heimweg an.

 

Was beim rausgehen im Körper passiert

Dass der Aufenthalt in der Natur dem Menschen gut tut, ist in der Zwischenzeit wissenschaftlich bewiesen. In Japan gibt es sogar einen eigenen Begiff dafür: „Shinrin Yoku“.

Unser Körper reagiert in einem komplexen Zusammenspiel mit denen in der Waldluft vorhandenen Phytonsiden. Das Sonnenlicht bewirkt, dass in der Haut das lebenswichtige Vitamin D und Serotonin als „Wohlfühl-Hormon“ gebildet wird.

Wir nehmen mit der Waldluft hohe Mengen Sauerstoff auf ohne den wir nicht existieren können. Der Aufenthalt in der Natur senkt den Spiegel des Streßhormons Cortisol.

Und das Beste ist: all das funktioniert JEDEN Tag! Jahrein, Jahraus.
Der Mensch und seine frühen Vorfahren profitieren davon seit über  4,4 Mio Jahren.

 

Nächster Halt Waldrand

Ich habe die Erfahrung gemacht dass es gar nicht wichtig ist wie lange man sich in der Natur aufhält um in den Genuss ihrer Gaben zu kommen.
Manchmal genügt mir bereits eine Stunde draußen um mich wieder gut zu fühlen. An anderen Tagen ist mir eine Stunde schlicht zu wenig und ich nehme mir dann bewusst Zeit für eine entspannte Mahlzeit unter Bäumen.
Oder einen entspannten Becher Kaffee auf einer Bank mit Blick auf das Hier und Jetzt ohne Gedanken an Gestern oder Morgen.

 

Wenn Du jetzt Lust auf´s rausgehen bekommen hast, dann schnapp Dir einfach die Dinge von denen du glaubst sie draußen zu brauchen. Und wer weiß, vielleicht begegnest Du heute einem wichtigen Menschen?
Das Leben ist zu spannend um es am PC zu verbringen.

Herzliche draußen-Grüße
der Ralfson